Luther-Gott sei Dank!

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Ich bin katholisch und werde es bis zum Lebensende wohl auch bleiben. Mit Protestanten komme ich gut aus, vor allem, wenn Sie sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen. Luther ist für mich nicht vom Teufel, sondern auch Teil einer von Gott so gewollten Welt. Mit dem protestantisch-sperrigen Störenfried, dem schwer zu verstehenden Anti-Judaisten, dem Fürstenknecht und Genießer, dem Musikliebhaber und Freund der Wissenschaft ist die katholische Kirche wieder auf den Weg gebracht worden. Ohne Luther keine wissenschaftliche Theologie, kein Gemeindegesang und keine deutsche Sprache, wie wir sie heute kennen. Wir sprechen alle irgendwie lutherisch, unser Deutsch ist Luthers Bibeldeutsch.

2017 ist Lutherjahr. Mit der Hamburger Camerata, der Stiftung Kinderjahre und anderen will ich versuchen, über Luther ein neues christliches Verstehen zu befördern. Übrigens: die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum über die Geschichte des Pfarrhauses ist sehenswert. Die Wehmut, mit der ein Niedergang dieser Kultur- und Glaubensquelle konstatieren werden muss, schmerzt.

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Gemalte Metamorphosen

Fenster (Elke Kegel-Judis)

Fenster (Elke Kegel-Judis)

Elke Kegel-Judis: 

Gemalte Metamorphosen

zum 75. von Henry C. Brinker

 

 

Ovids Metamorphosen, eines der gewaltigsten Verswerke der Literaturgeschichte aus römischer Zeit, sie gehen nicht gut aus. Auf das goldene folgt das silberne, auf das eherne das eiserne Zeitalter. Verloren gegangen, so die niederschmetternde Bilanz des Dichters, ist die Ehrfurcht des Menschen vor der Schöpfung, die Demut vor der Natur und die Einbindung des Menschen in den ganzheitlichen Zusammenhang eines ewigen Werdens und Vergehens. 

 

Zitat Ovid:

Den Boden, der vorher allen gehörte wie das Sonnenlicht und die Lüfte, teilte der beflissene Landvermesser mit einer langen Grenzlinie. Und man forderte vom freigiebigen Boden nicht nur Saaten und Nahrung, die er uns wohl schuldig gewesen sein mag, sondern man wühlte sich gleichsam in die Eingeweide der Erde. Und die Schätze, die sie nah bei den Schatten der Styx verborgen hielt, fördert man ans Licht – Ursache all des Bösen. Schon war das gefährliche Eisen zu Tage gefördert und das Gold, noch gefährlicher als Eisen. Da erscheint der Krieg, der beides zum Kampf verwendet und mit blutiger Faust klirrende Waffen schüttelt. Man lebt vom Raub; kein Gastfreund ist vor dem Gastfreund sicher, kein Schwiegervater vor dem Schwiegersohn, auch zwischen den Brüdern ist Einvernehmen selten. Der Mann trachtet nach dem Tod der Ehefrau, jene nach dem des Ehemanns; Schreckliche Stiefmütter mischen bleichenden (totbringenden) Eisenhut; der Sohn forscht vorzeitig nach der Lebenszeit des Vaters; Die Anständigkeit liegt besiegt danieder und als letzte der Götter verließ die Göttin der Gerechtigkeit die vor Blut triefenden Länder.

Soweit Ovid in seinen Metamorphosen.

Elke Kegel-Judis hat die Metamorphosen, den stetigen Wandel und seine künstlerische Beobachtung und ästhetische Überhöhung, zu ihrem Lebensthema als Malerin und Grafikerin gemacht. Und das eben zitierte Eiserne Zeitalter bringt bei ihr die Leinwand immer wieder zum Knirschen und das Papier zum Klirren. Aber keine Angst: Elke Kegel liebt das Leben und die Welt zu sehr, als dass sie diese sich selbst und ihren pessimistischen Ausdeutern einfach überlassen würde. Die Kunstwelt der Berlinerin, die in Buchholz lebt, sich an Hamburgs Kulturleben orientiert und immer wieder in Frankreich arbeitet, ist eine eigene mit einer komplexen Gegenwart, die sich gleichsam zusammensetzt als allen Zeitaltern. Mal im paradiesischen Urzustand mit silbernen Einsprengseln changiert, mal düster und verschlossen Abschottung und Vergänglichkeit signalisiert. Hier das königliche Blau und das romantische Rosa des anbrechenden Morgens, dort der düstere Verfall und unaufhaltsame Niedergang eines Bauwerks, dem Elke Kegel freilich, ganz fühlende Frau und bis zuletzt der Schönheit verpflichtete Romantikerin, noch im Vergehen eine eigentümliche und seltsam vertraut wirkende Faszination abgewinnt.

 

Dabei wirken ihre Darstellungen merkwürdig konkret, die Empfindung des Abbildungsgegenstand  geht über in die Faktur und Durcharbeitung jedes Werks. Schicht auf Schicht, Überlagerungen und immer neue Oberflächenzustände: Was in Jahren in freier Natur entsteht, wird in einem künstlerisch-künstlichen Schaffen nachgeschöpft und bildnerisch erzählt. Das Atelier als Laboratorium, die Leinwand als Experimentierfläche, Papier für den Lackmustest der Wahrhaftigkeit künstlerischer Äußerung. 

 

Zwischen den Bahnhofsfenstern dort sehen Sie alte Fenstertüren mit scharnierten Blendläden. Ganz wirklich, ganz konkret – und doch der Wirklichkeit gleich mehrfach entrückt. Warum? Weil zunächst einmal durch den Status des fertigen Bildes dem sichtbaren Vergehen Einhalt geboten ist- die Malerin als Bewahrerin. Dann suggeriert das Bild nur die Möglichkeit, eine Tür zu öffnen und am knarrenden Scharnier den Laden nach außen zu drehen. Doch: Keine Chance, das zweidimensionale Flächenbild bewahrt sein inneres Geheimnis und damit seine Ausdeutbarkeit als konkrete Wirklichkeitsabbildung oder psychologische Zustandsbeschreibung. Denn Elke Kegel liebt die Aufladung ihrer Arbeiten mit Gedachtem und Gefühltem, das sie sich durchaus auch vergegenwärtigt, während viele Maler das tief schürfende Suchen und Inhaltswühlen ablehnen und immer auf das Bild verweisen. Elke Kegel zieht aber neben den bewusst gesetzten Denk-Bezügen und Sinn-Aufladungen auch eine breite, unbewusste Seelenspur hinter ihren Werken her. Freud hätte seine wahre Freude an all den verschlossenen Türen und Fenstern, all dem Verblühten und nicht zur Blüte gekommenen, all dem Zertretenen, Abgebrochenem und achtlos Weggeworfenem und dann wieder bildnerisch mit neuer Würde versehenem. Elke Kegels Bilder bitten und betteln um Mitgefühl und Aufmerksamkeit, aber nicht für sich: sondern für die Welt mit uns.

 

Dort der Gärtnerhandschuh. Das Werkzeug der Hände ist fast schon selbst zur Pflanze geworden, die transparente Textur erinnert an eine ausgespülte, verwesende Blattformation, das Chlorophyll ist verschwunden, die Netzstruktur des Pflanzengewebes hat den Handschuh erobert und vereinnahmt, selbst ist das Werkzeug nun nicht mehr Zeug im Heideggerschen Sinn, sondern Natur. 

 

Wir sehen dort eingeschlossen im Nucleus des Samens die Gestalt eines Pflanzensprosses, die erahnbare Idee der späteren Gestalt, die Malerin kennt sogar die Pflanzenart. Wie eine Zen-Malerin hat sie den schützenden Kreis um das entstehende Leben geschlagen. Erst neulich konnte ich beim japanischen Maler Rin Terada eine ähnliche Bildsprache bewundern, Elke Kegel setzt gern kulturübergeifende Bildsignale ein, die sie seit vielen Jahren auf ihre Wirkung erprobt und als empfindsame Selbstentäußerung schätzt.

 

Auf dem Boden grafische Fußspuren, Zeugnisse einer Suche, Dokumente von Versuchen mit Kunst. Der Eingriff des Menschen in die Welt, sein Footprint, ist mit dem Laubzweig in eine nachdenklich machende Verbindung gebracht, die vor allem auch wegen der angebotenen Farbskala berührt. Suchen, versuchen und alles zusammen ergibt am Ende zwar doch keine Wahrheit, aber eine leise Ahnung von ihr. Der Künstler auf der Suche und der Suchvorgang selbst als moderne Kunstform. Robert Musil hat dieses Prinzip der Weltaneignung und Darstellung in essayistischer Form im 20. Jahrhundert verankert. Wissend, dass Wissen und Forschung, Aufklärung und Denken niemals einen letztlich immer totalitaristisch ausgehenden Wahrheitsanspruch entwickeln dürfen, sondern allenfalls in einer Darstellungsform der gewollten Unschärfe: fuzzy logic. Die aktuelle Philosophie von Slavoj Zizek ist der derzeit strahlkräftigste Ansatz, wie dieser suchende Unschärfeblick zu einer neuen Bewusstseinsschärfe führt, die der Lebensungewissheit und existenziellen Geworfenheit des modernen Menschen weit mehr entspricht als jede neoaufklärerische Weltgewissheit. Eine zentrale Rolle im Denken Žižeks spielt das auf Lacan zurückgehende triadische Modell der drei Strukturbestimmungen der Psyche: Reales, Symbolisches und Imaginäres. Reales, Symbolisches und Imaginäres: Elke Kegel  ist als Avantgardeverweigerin mit Ihrer Arbeit plötzlich in der kulturellen Mega-Aktualität gelandet, und wir dürfen hier im alten Bahnhof von Holm-Seppensen für einen Moment dabei sein.

 

 

Auch wenn unsere Malerin die Nichtfestlegung liebt und das Spekulative schätzt: An der zwangsläufigen Konkretheit ihrer fertigen Arbeit kann sie nicht rütteln. Mag die Bildaussage schwanken und der ausdeutbare Gehalt zwischen Denklinien osziliieren, im Gegensatz zu unserer veränderlichen Wahrnehmung gilt: Ihr Bild als Werkstück verändert sich nicht mehr.Werfen wir deshalb den Blick wieder auf die Bilder und fassen zusammen.

 

Die harte Materialhaftigkeit ihrer Arbeiten, die gleichzeitige, eher unpräzise Offenheit der Bildaussage und das Prozesshafte der Bildwerdung gehen als sichtbare Konstanten in jedes Werk ein. Wenn Elke Kegel eine Tür malt, sehen wir am Ende nicht eine Tür, sondern ein entrücktes, kunstvolles Bild. So löst Elke Kegels Kunstfertigkeit den Bildgegenstand immer wieder aus seiner konkreten Bindung an Erlebtes und Gesehenes, Abgebildetes und Nachempfundenes. Alles, was Elke Kegel begegnet, wird in verschiedenen Aggregatzuständen reflektiert und parallel oder seriell festgehalten. Keine ganz dumme künstlerische Position, zumindest wirtschaftlich nicht: Denn wer etwas Wesentliches von der Malerin nach Hause tragen will, muss eigentlich mindestens zwei Werke nehmen. 

 

Nimm 2 – und mit dem Zweiten sieht man besser. 

 

So bin ich mir bei ihr sicher und die Werke an der Wand und auf dem Boden beweisen es. Und ich verspreche Ihnen als neue Bildbesitzer: Elke Kegels gemalte Metamorphosen gehen anders als bei Ovid für den, der sich Ihnen widmet, gut aus.

 

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Orale Szenografie

Das „Hörensagen“

„Das kenne ich vom Hörensagen“: eigentlich gibt es für erfolgreiches Kulturmarketing oder Konsummarketing mit kulturellen Implikationen kein besseres Lob als diese einfache Äußerung aus einem Zufallsgespräch oder einer Unterhaltung über Marken, Angebote oder kulturelle Ereignisse. Das „Hörensagen“, aufgeschnappt und weitererzählt, steht am Ende eines komplexen Prozesses absichtsvoller Vermittlung oder strategisch angelegten Marketings, aber auch eines unkontrollierten Aufwuchses von Meinungen und Einstellungen. Das „Hörensagen“ kann also gesteuert beeinflusst werden oder sich ohne gezielte Einflussnahme entwickeln. Erneuert sich das „Hörensagen“ durch ständigen Abruf und eine dynamische Entwicklung des Diskurses und ist dieses „Hörensagen“ in seiner kommunizierten Essenz positiv entwickelt, dann entstehen Persönlichkeitsbilder und Images, die die werbetreibende Wirtschaft in ihrem Metier als „Markenwerte“ bezeichnet. Diese sind häufig so stark, dass sie Generationen überdauern und Eingang finden in den allgemeinen Bewusstseinskanon, ja, in das Allgemeinwissen. Wie Märchen, Sagen und Legenden werden sie Teil eines identitätsstiftenden Vergewisserungsprozesses, der unser kulturelles Weltverständnis prägt und so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ordnet und gleichzeitig verfügbar macht. Der gute Stern auf allen Straßen, der Volkswagen, das Auto für die Freude am Fahren und der Vorsprung durch Technik sind „legendäre“ Axiome, die starke Marken gesetzt haben und die in die Gesellschaft, den Markt hinein wirken. Vielleicht sind dieses Mythen die Märchenstoffe der Gegenwart, die die Gebrüder Grimm heute aufschreiben würden, vielleicht nicht in Form von Werbeslogans, aber als Geschichten, die Menschen als Erfahrungswissen weiter tragen. Und die dann gelegentlich als Skript unterhaltsamer Werbespots Markenwerte erneuern und befeuern-und wieder eingehen in den großen Kreislauf des „Hörensagens“.

 

Die „Oralität“

Walter J. Ong beschreibt in seiner Forschung die primären oralen Kulturen und unterscheidet sie von der sekundären Oralität, von der unser heutiges Medienzeitalter geprägt ist über alle Kanäle seines breit gespannten Kommunikationsnetzes: Telefon, TV, Radio, Internet und sprachgesteuerte Bedienformen technischer Einrichtungen. Völker ohne Schrift wie die Inuit (Eskimos), deren Erinnerungen und Gedächtnis aus rein oralen Überlieferungen bestehen, repräsentieren eine primäre Oralität. „Schriftliche Kulturen“ organisieren Wissen fast ausschließlich über Schrift, während orale Völker nur über solches Wissen verfügen können, was sie im Gedächtnis tragen, eben das „Hörensagen“. Das Inuktitut, die Sprache der Eskimos, entwickelte sich als eine gesprochene Sprache mit mündlicher Überlieferung, jedoch ohne eigenes Schriftsystem. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte ein englischer Missionar eine syllabische Schrift, die noch heute von etwa zwei Dritteln der kanadischen Inuit (in Québec und den östlichen und zentralen Regionen der Northwest Territories) verwendet wird. In Labrador und in der westlichen Arktis ist eine auf dem lateinischen Alphabet beruhende Inuktitut-Schrift gebräuchlich. Doch hat diese Öffnung nicht etwa zu einer kulturellen Stabilisierung geführt, sondern eher das Gegenteil bewirkt. Die starke Wirkung der Märchen und Legenden als identitätsstiftende Selbstvergewisserung über Zeiten und Generationen hinweg wurde geschwächt. An dieser Stelle ist der Weg vom Polarkreis ins alte Athen nicht weit. Sokrates hat in Platons Dialog „Phaidros“ die Verarmung der Überlieferung beklagt, der durch die geschriebene Sprache entstanden ist. „Denn dies Bedenkliche, Phaidros, haftet doch an der Schrift, und darin gleicht sie in Wahrheit der Malerei. Auch deren Werke stehen doch da wie lebendige, wenn du sie aber fragst, um das Gesagte zu begreifen, so zeigen sie immer nur ein und dasselbe an. Jede Rede aber, wenn sie nur einmal geschrieben, treibt sich allerorts umher, gleicherweise bei denen, die sie verstehen, wie auch bei denen, für die sie nicht passt.“ Kann man genauer die fehlende, verlebendigende Interaktion der gesprochenen Sprache bei der Schriftkommunikation umschreiben?

 

Theater und Liturgie

Rituale und Formen strukturierten und konservierten früher Erinnerung und Erzählung. Das Wunder der Überlieferung, wie es sich heute darstellt, wo wir dauerhafte Darstellungsformen und verlässliche Speichermedien wie seit ewig existierende Selbstverständlichkeiten nutzen und entwickeln, beruht auf bestimmten Verlässlichkeiten und Implikationen, die Dauerhaftigkeit und Gültigkeit entscheidend beeinflussen. Die strenge Form, etwa in der kirchlichen Liturgie, oder literarische Stilmerkmale wie Versmaß und Reim sowie chronologische Marken, Namen und Orte beförderten und befördern die Authentizität und Nachhaltigkeit der oralen Überlieferung. Vor allem ist es die Ganzheitlichkeit von Welterfahrung, die die orale Überlieferung prägte und bis heute so attraktiv und unersetzlich macht. Aus Religion und ihrer rituellen Ausübung, dem Kultus, entwickelte sich das, was wir heute die „Kultur“ nennen. Kein Wunder, dass auch das Theater als „mündliche“ Kunstform ursprünglich aus der Umsetzung eines religiös motivierten, rituellen Aktes der menschlichen Suche nach Sinn und Selbst entstand. Und: Theater wie alle anderen Künste sind keineswegs nur affirmativ, also auf Bestätigung ausgerichtet. Kunst sagt uns die Meinung, fast jede Form der oralen Überlieferung in Märchen, Sagen und Mythen liest uns Individuen und unseren politisch-religiösen Organisationsformen von Staat bis Kirche auf subversive oder ganz eindeutige Art die Leviten. Der berühmte Theatermacher Dieter Dorn drückte es einmal so aus: „Das Theater unterliegt dem Paradox, dass es institutionelle staatliche Strukturen voraussetzt, aber in seiner künstlerischen Arbeit immer anti-staatlich ist, den Staat immer angreift und nie bestätigt. Der Grundkonflikt des abendländischen Theaters ist die Überzeugung, dass der einzelne Mensch und die Gesellschaft, nicht nur der Staat, dass die Gesellschaft und der Mensch nie zusammenpassen. Theater erprobt Lebensformen; ob das notwendig ist, ist die Frage. Die Künste sind weder notwendig noch überflüssig, sie sind. Ihre Welten ersetzen die Wirklichkeit nicht, verbessern sie auch nicht unbedingt, aber sie führen Leben vor und machen uns darauf aufmerksam, wie wir dieses Leben wahrnehmen. Nur so können wir aus den Grenzen unserer Wirklichkeit heraustreten und andere Möglichkeiten von Existenz erwägen. Das ist der ‚Mehrwert‘ der Kunst, der nie eindeutig bestimmbar sein wird. Theater muss nicht sein, wenn es nur eine kulturelle Übung ist und damit nicht mehr bedeutet als Fahrkultur oder Unternehmenskultur. Aber wenn Theater als Kunst nicht vorhanden ist, gibt es keine öffentliche und fiktive und doch leibhaftige und reale Möglichkeit mehr, mit menschlichen Verhältnissen zu experimentieren. Denn wie man sich verhalten kann und welche Folgen das hat, zeigt uns das Theater“. Kulturelle, performative Rituale, die auf Wagnis und Experiment, Kritik und Konflikt verzichten, sterben. Wir lernen, dass Kunst und Kultur unserer Zeit neben der Pflege von Form und Ritus auch des Zulassens von Infragestellung und Fundamentalkritik bedürfen. Auch für Kulturmarken und Konsummarken mit kulturellen Implikationen gilt diese Erkenntnis-und für die Religion mit ihrer theatralen Liturgie. Eckhard Nordhofen rezensierte 2008 für die F.A.Z. Hans Maiers Schrift „Die Kirchen und die Künste“ und kommt über Maiers Einsichten zu einer grundlegenden Beschreibung des Verhältnisses von Liturgie und Theater. „Hans Maier sieht die Liturgie als die eigentliche Kunst der Kirche an. ,Vor Gott ein Spiel zu treiben, ein Werk der Kunst – nicht zu schaffen, sondern zu sein, das ist das innerste Wesen der Liturgie‘, so zitiert er Romano Guardini…. Zweckfrei, aber sinnerfüllt folgt das heilige Spiel strengen Regeln. Guardinis ,Vom Geist der Liturgie“,erschien erstmals 1918. Hier finden sich Einsichten, die Ernst Cassirer in seiner ,Philosophie der symbolischen Formen‘ von 1923 zu einer großen theoretischen Architektur ausgebaut hat. Die Erweiterung des Sprachbegriffs über die Welt der Worte hinaus war in der Liturgie immer schon gängige Praxis: How to do things with words – gibt es für den Zusammenfall von Sprache und Handlung ein kraftvolleres Beispiel als die Worte des Priesters, mit denen er ungesäuertes Brot in den Leib Christi wandelt? Dass die Wandlung eine Handlung ist, haben kleine Katholiken schon immer im Kommunionunterricht gelernt. Maier betrachtet die Liturgie als Quellgrund der Künste und kann dies an vielen historischen Beispielen belegen. Die große Synästhesie eines reichen kultischen Gesamtkunstwerks, in dem Gesänge, Gerüche, Gewänder, Musik und Ritus, aber auch Predigt und Wort zusammenwirken, kann in der Tat durchaus einleuchtend als ein Wurzelgrund beschrieben werden, aus dem nicht nur Musik und Theater, sondern auch die Literatur gewachsen sind.“

 

Kultur und orale „Live“-Kommunikation

Wenn Kultur wie am Beispiel von Theater und Liturgie aufgezeigt von der oral und performativ geprägten „Live“-Überlieferung lebt und sich in ihr gründet, so ist auch die Weitergabe kultureller Botschaften, also Kulturkommunikation, sui generis prädestiniert für Geschichten und Erzähltes. Aber ohne Konzepte und Strategien entsteht schnell Beliebigkeit, Zufälligkeit, Austauschbarkeit. Wer sich auf die Kommunikation von kulturellen Inhalten einlässt oder an der Entwicklung von kulturellen Institutionen arbeitet, muss vorsichtig sein. Denn die Unberechenbarkeit und Reizbarkeit, Widersprüchlichkeit und Aufsässigkeit von Kunst und Künstlern ist schwer zu bändigen. Vor allem, wenn wir uns auf die orale Weitergabe und ihre narrativen Möglichkeiten fokussieren. Denn mündliche Verbreitung ist und bleibt schwer steuerbar, hoch virulent, wirkmächtig und extrem nachhaltig. Die Büchse der Pandora: Wenn etwas den eigentlich begehrten Status des „Hörensagens“ erreicht hat, kann es für jedwede Korrekturen zu spät sein. Allerdings: Pandora öffnete in der griechischen Mythologie die Büchse ja ein zweites Mal, und so kam die Hoffnung in die Welt. Für verzweifelnde PR-Verantwortliche nur ein schwacher Trost. Im „Hörensagen“ verewigte Negativ-Images und Botschaften sind kaum zu löschen. Was für das Internet gilt, gilt, für manchen vielleicht überraschenderweise, noch mehr für die direkte Oralität.  Die mündliche Weitergabe kann in ihrer unkontrollierten Entwicklung immer wieder Images und Markenwerte bedrohen. Und obwohl vielleicht die klassisch durchdeklinierte Unternehmenskommunikation in Perfektion abgespult wird und der gesamte Werkzeugkasten modernen Marketings und erprobter PR zur Anwendung kommen: die Corporate Identity mit festen Unternehmensmerkmalen ist gefährdet, wenn, salopp ausgedrückt, unkontrolliert „gequatscht“ wird. Der Verlust von Kommunikationshoheit geht nicht selten einher mit der Schwächung oder gar dem Verlust des in seiner oft langen Geschichte positiv aufgeladenen Markenkerns. Leider ist allerdings gegen tatsächliche, allgemein erfahrbare und nachprüfbare Defizite kaum ein Kraut gewachsen. Jede gesteuerte Kommunikation kann allein immer nur verstärken oder abschwächen, aber niemals einen Trend in eine andere Richtung umdrehen.

 

Diskurshoheit durch orale Szenografie

Orale Markenwerte werden am zuverlässigsten und in Bezug auf Risiken am kalkulierbarsten durch eigene, zunächst „selbsterzählte“ Geschichten transportiert. Die orale Szenografie gewinnt also erst Gestalt durch „hauseigene“, narrative Kommunikationsansätze innerhalb der Marketingstrategie. Für Kultur, Medien, und wertorientierte Marken gilt deshalb: Gute Geschichten, bei denen der Betroffene selbst auch der Absender ist, schaffen einen wichtigen, positiven Aufladungskern, die zunächst nicht der Willkür und zufälligen Entstehung im öffentlichen Raum ausgeliefert ist. Ideal ist dabei die Situation, wenn die Geschichte durch ihre spezifische Newswertigkeit die Absenderschaft überstrahlt und isloliert davon als objektiv gültige Faktum, zumindest aber als unterhaltsame, der Wirklichkeit glaubhaft entlehnte Markenerzählung wahrgenommen wird. Wahrhaftigkeit und Überprüfbarkeit sind wichtige Trümpfe. Vor allem die Kultur profitiert deshalb von szenografischer Oralität, weil ihr typisches, unbestimmt-vages Oszillieren um eine unscharfe Identität und die sich daraus ergebende, mehrdeutige Aussagekraft besonders gut mit einer improvisierten „Stand-up“-Mündlichkeit korrespondiert. (Kunst sagt generell die Wahrheit, aber wie beim Orakel von Delphi sind die Weissagungen selbst und eigenverantwortlich auszulegen. ) Die persönliche Einbeziehung von Kommunikationsakteuren, evident bei oraler Kommunikation, schafft eine zusätzliche Glaubwürdigkeit und Relevanz und gewinnt durch die Darstellung im jeweiligen kommunikativen Kontext konkrete Plastizität. Nüchterne Consumer-Marken können durch entsprechende Geschichten kulturell aufgeladen und aufgewertet werden, Kulturereignisse und Kulturgüter erfahren durch erzählte Botschaften die ihrer Natur gemäße Vermittlungsform. Je klarer die Urbotschaft, desto geringer die Gefahr der Verfälschung (mit den Einschränkungen, die man wie dargestellt bei Kunst und Kultur generell machen muss).

 

Beispiele: Kleine Geschichten- große Wirkung

Dabei kann jeder, vielleicht unterschiedlich in der Begabung, Geschichten erzählen und dem Erzählten lauschen. Denn erstens erzählen alle Menschen schon von selbst allein durch ihre Namen oder ihren Dialekt immer schon eine kleine Geschichte, und zweitens ist die Erfahrung des passiven oder aktiven Erzählens eine kommunikative Grunderfahrung von den ersten Wahrnehmungen des kleines Kindes an. Ein Kulturträger oder Markenanbieter versteht sich hier bei seinen Kommunikations-anstrengungen vor allem als Stofflieferant und Anstoßgeber, als Katalysator und Begleiter. Je schmaler die inhaltliche Substanz, desto mehr entscheidet die Form über die Virulenz einer Geschichte. Je stärker die inhaltliche Relevanz, desto mehr tritt die Art der Präsentation in den Hintergrund. So versuchen etwa Anbieter der Getränkeindustrie ihre im Kern gleichen Produkte gegenüber Wettbewerbern dadurch zu differenzieren, dass sie Trinkrituale in Form von Sprüchen und Gesten entwickeln, die den Produkten Einzigartigkeit verleihen und sie so in ihrer Verschiedenheit im Bewusstsein verankern. Ein Sender, ein Name, eine Geschichte, ein Programm Auch bei Medien, Kulturmarken und Konsumgütern ist wie bei Menschen schon im Namen eine eigene Identität und Geschichte angelegt und dokumentiert. Der Hamburger Radiosender „Oldie 95“ hat es geschafft, dass sein Name die ganze Geschichte dieses Formatradios mit fünf Buchstaben und zwei Zahlenziffern erzählt. „Oldie 95“ sagt aus, dass der Radiosender das Musikformat „Oldies“ gewählt hat und über die terrestrische Frequenz UKW 95.0 erreichbar ist. Diese für die orale Szenografie im urbanen Raum elemantaren Informationen stehen so automatisch im Mittelpunkt, sobald der Sender sich selbst über die Moderation kommuniziert oder wenn Hörer ihren Sender im Gespräch benennen.

 

Klassik für alle

KLASSIK RADIO schuf den Claim „Musik für gewisse Stunden“ und sorgte damit für eine völlig neue Positionierung des Senders als Unterhaltungsmedium. Die „gewissen Stunden“ legt der Hörer selbst fest: Für den einen erotische Zweisamkeit, für de anderen ein edles Diner, zu dem der Sender die passende Musik liefert. Filmemacher Detlev Buck lieferte dazu einen Kinowerbespot, der das Hören von klassischer Musik als Initiationsritus für eine erfolgreiches Rendezvous thematisierte.

 

Wolfgang Schäuble und die Mode

Für das Magazin „Life & Style“ wurde Wolfgang Schäuble zum ersten Model im Rollstuhl. Die Geschichte vom modebewussten Politiker, der trotz Handikap das Zeug zur Stilikone besitzt, beherrschte nach der Veröffentlichung auf überraschende und sympathische Weise über Wochen das Gespräch über den Politiker. Der Spiegel schrieb: „Das Model gilt als eigensinnig, seine Verachtung für den ,Zeitgeischt‘ ist bekannt. Umso erfreuter war Fotograf Wolfgang Wilde beim Fototermin mit Wolfgang Schäuble für das schicke Bilderblatt ,Life & Style‘. Als Gerhard Schröder dort im März posierte, geißelte ihn Schäuble noch als „Kaschmir-Kanzler“. Nun ließ sich der CDU-Chef selbst klaglos pudern und in einen schwarzen Rollkragen stecken, freundlich lächelnd zeigte er sich beim Krawattebinden und plauderte über seine Funkuhr.“

 

Schwartau dekoriert das Kanzleramt

Das Unternehmen Schwartau schaffte es, sein Lebkuchenhäuschen als Ausdruck deutscher Weihnachtskultur dadurch zur großen Geschichte werden zu lassen, indem Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf mit Kindern Deutschlands größtes Lebkuchendorf bastelte und zur viel beachteten Weihnachtsdekoration im Kanzleramt werden ließ. Das gesamte diplomatische Corps kam zur Einweihung. Eine Geschichte wie geschaffen zum Weitererzählen. Die Presse schrieb: „Schwartau Backaktion im Kanzleramt – Kinder backen für Kinder Ein Hauch von Weihnachten lag in der Luft, als im Bundeskanzleramt 70 Schulkinder an der diesjährigen Schwartau Backaktion „Kinder backen für Kinder“ teilnahmen. Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf betonte, wie wichtig es ist, die natürliche Hilfsbereitschaft von Kindern zu fördern. Zum einen fließen die Spendenerlöse in das Kinder- und Jugendhaus „Come in“ in Grimma/Sachsen, das von der Flutkatastrophe schwer beschädigt wurde. Das zweite Projekt, das durch die eingehenden Spenden gefördert wird, ist das „Projekt Neue Bundesländer“ der BundesArbeitsGemeinschaft Kinder- und Jugendtelefon e.V. Bei der Schwartau-Backaktion „Kinder backen für Kinder“ entstand aus den weihnachtlichen Lebkuchen- und Dekoriersets die stimmungsvolle Knusperstadt – die diesjährige Weihnachtsdekoration im Bundeskanzleramt.“

 

Bénédictine und das alte Kloster

Für eine einmalige PR-Aktion lud die Bacardi-Gruppe 12 Top-Journalisten ein, um in einem normannischen Kloster der Entstehung der geheimen Rezeptur des Bénédictine-Kräuterliqueurs im 16. Jahrhundert und ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert nachzuspüren. Eine Erzählgeschichte mit den besten Zutaten speiste sich so aus eigenem Erleben, das Medienecho war überwältigend, Bacardi konnte das angestaubte Image eines alten Kräuterliqueurs erfolgreich aktualisieren: „Im Jahre 1863 war es gewesen, als Alexandre Le Grand jenes Grundrezept für den heute weltweit bekannten Kräuterlikör Bénédictine gefunden hatte. Doch zunächst musste er die Schrift (aus dem 16. Jahrhundert) erst entziffern, dann das Rezept in die damalige Zeit übersetzen und schließlich durch unzählige Experimente die genaue Zusammensetzung jener 27 Kräuter herausfinden, die den Geschmack des heutigen Produkts ausmachen. Koriander, Safran, Vanille, Muskatnuss, Aloe, Thymian, Génèpi, Arznei-Engelwurz oder Echte Engelwurz (Angelica archangelica), Ysop (Bienenkraut) und andere Kräuter werden gemischt, destilliert und drei Monate in Eichenfässern gelagert. Dann erfolgt ein Aufguss aus Vanille, Safran, Honig und Karamell, bevor der Likör weitere vier Monate reifen muss und dabei immer wieder erhitzt wird, um die Haltbarkeit zu erhöhen, dann dauert es nochmals einige Monate bis zu insgesamt zwei Jahren, bevor der Likör zum Genuss gereift ist.“

 

Vileda und Schloss Bückeburg

Um einen Wischmop erfolgreich zu launchen, wählte das unternehmen VILEDA einen außergewöhnlichen Weg. Erbrinz Alexander von Schaumburg Lippe wurde überzeugt, dass eine Schlossreinigung von Bückeburg dringend nötig sei und in einer Nacht leisteten die kleinen Putzteufel ganze Arbeit im Riesenschloss. Die Geschichte von der Schlossreinigung ging durch die Publikumsmedien und erbrachte für das prosaische Putzthema eine glanzvolle Publicity. Aus „Leipzigs bester Italiener“ wird Dresdens „Neuer Maestro“ Um seinen Chefdirigenten Fabio Luisi vom MDR Sinfonieorchester neben dem Stardirigenten Riccardo Chailly vom Gewandhaus Leipzig erfolgreich zu positionieren, erfand der Sender den Claim „Reservieren Sie bei Leipzigs bestem Italiener“. Im Ergebnis stieg der Ticket-Einzelverkauf um über 20% an und der Zuwachs an Bekanntheit katapultierte Luisi ganz nach vorn in der Wahrnehmung auch großer Häuser. Beim Wechsel nach Dresden zur Semperoper mit der Sächsischen Staatskapelle mutierte er von „Leipzigs bestem Italiener“ zum „Neuen Maestro“, der einen reizvollen Kontrast zu den „Alten Meistern“ in der langen Geschichte des Hauses bildete. So wurde aus Musikgeschichte mit vielen Geschichten eine einzige, attraktive Geschichte zum Weitererzählen: Ein junger Dirigent führt in seiner Person Vergangenheit und Gegenwart zu großer Kunst zusammen.

 

Glanz, Genuss, Botschaft und Bedeutung

Alle die dargestellten Beispiele für eine oral nachwirkende Szenografie, die auf Botschaften aus der Kommunikationshoheit des Absenders beruht, sind gekennzeichnet durch den Akkord von vier essentiellen Merkmalen. Glanz erzeugt die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, die grundsätzlich erforderlich ist, damit eine Botschaft aufgenommen werden kann und nicht schon zu Beginn abgelehnt oder übergangen wird. Genuss ist das Versprechen, das über den Glanz den Rezepienten erreicht und eine sinnliche, geistig und/oder körperlich, Genuss-Erfahrung in Aussicht stellt. Auf einer die Kultur bestimmenden Meta-Ebene tritt dann die vom Künstler in das Werk eingesenkte, geheimnisvolle Botschaft hinzu. Und diese Botschaft entfaltet in uns eine Bedeutung, die über das Werk und den Moment der Wahrnehmung hinaus Bedeutung entfaltet. Erzählen wir als Publikum dann die ganze Geschichte von Glanz, Genuss, Botschaft und Bedeutung, werden wir von Consumern zu Prosumern, die Marken mitschöpfen, vor allem Kulturmarken. Wir sind nicht mehr durch unreflektierte Nutzung oder Verbrauch „gebundene“, sondern „verbundende“ Konsumenten.

Kassieren do-it-yourself: Piepen ohne Ende

Selbstbedienung an der Kasse
KassiererIn im Supermarkt zu sein ist ein Höllen-Job. Ich habe es kürzlich ausprobiert, als ich eine dieser neuen Do-it-yourself-Kassen bei EDEKA benutzen musste.

Mein Wochenvorrat für meine Dienstwohnung war schnell zusammengesucht und lag fertig zum Scannen im Einkaufswagen. Seelachsschnitzel, Worcester-Sauce, Vollkornbrot, bunte, harte Eier, Sardellen, Reis, Tomatenmark, Adler Edelccreme Kräuter, Kapern, Meerettich, Majonaise,1 Salatgurke, Haferflocken, 1 Dose Espressokaffee.
Das Glas Seelachsschnitzel hat ein krummes Etikett, der Scanner will nicht lesen, ich streife die Seelachsschnitzel ein paarmal hintereinander über den Scanner, es macht, piep, piep, piep, piep. Auf dem Display steht: „Seelachsschnitzel i. Ö., 5 x 1,19 € 5,95€“ Obwohl ich nur 1 Glas kaufen und bezahlen wollte, hat der Scanner fünfmal zugeschlagen. Ich war ratlos. Einen Löschknopf wie beim Geldautomaten, wenn man sich beim Betrag vertippt hat, gibt es nicht. Etwas erhöht sitzt fünf Meter weiter eine Kassenoberaufseherin. Sie hat schnell erkannt, dass bei mir etwas nicht stimmt und kommt angeschlendert, Gesichtsausdruck leicht vorwurfsvoll, der Blick angedeutet himmelnd. „Na, wo brennts denn, junger Mann?“ Der lockere Spruch passt irgendwie nicht zu der Gesamtsituation. Als traditionell empfindender Kunde bin ich nun mal ein wenig König und zu dem sagt man nicht „wo brennts denn, junger Mann“. Außerdem bin ich 55 und auch wenn die Oberkassenaufseherin ihre 64 Jahre haben mag, klingt das alles etwas merkwürdig, irgendwie plump. „Seitlich fassen, einmal ohne zu stoppen gleichmäßig von links nach rechts drüberziehen, und nicht hin und her!“ Ich denke, wie beim Elfmeter. Ich schwitze. Die Aufseherin greift ein gewaltiges Schlüsselbund, zückt einen rosa Plastikstick, steckt ihn in die automatische Kasse, eine Drehung, alles auf null. Sie scannt selbst ein, 1 Seelachsschnitzel für 1,19€.

Ich sage „Ja gut!“ und spüre einen Adrenalin-Schub wie bei der schweren Proseminar-Architekturprüfung in Kunstgeschichte, wo ich vor 34 Jahren mal durchgefallen bin. Die Aufseherin bleibt stehen: „Keine Angst, das nächste machen wir zusammen!“ Sie gibt mir die Worcestersauce. Aus Versehen gleitet mir die Flasche aus den verschwitzten Fingern und rollt über den Scanner. „Piep“. Ich greife die Flasche, wieder „Piep“, ich muss abermals über das blinkende Fenster gekommen sein. Die Aufseherin sagt „Mein Gott“, ich fühle mich bedroht. Sie zieht abermals den Stick, alles auf Anfang. Jetzt muss ich die Gurke drüberziehen. Die Frau nimmt meine Hand und sagt „Gurke festhalten, zügig drüberziehen. Wo ist das Etikett?“. Ich frage: „Welches Etikett?“ „Bei Gurken müssen Sie auf die eingeschweisste, etikettierte Ware achten oder mit Nr. 69 ein Scanner-Etikett für 59 Cent ausdrucken, wenn Sie selbst kassieren wollen!“ Ich wollte nicht selbst kassieren, sondern musste. Ich renne los und komme mit eingeschweisster, etikettierter Salatgurke zurück. Mein Hemd klebt mir auf dem Rücken, kalter Schweiß auf der Stirn. Es regt sich Mitleid bei meiner Aufseherin: „Kommen Sie, dieses eine Mal scanne ich für Sie!“ Blitzschnell führt sie in wenigen Sekunden den ganzen Einkauf übers Scan-Fenster, ohne einen einzigen Eingabefehler. Ich bin erleichtert, wenngleich ich eindeutig durch die EDEKA-Kassenprüfung gefallen bin. Aber auch jetzt war noch nicht Schluss: „Wie wollen Sie eigentlich daraus was Leckeres zu essen machen?“ fragt mich noch die Aufseherin in einer Mischung aus Spott und Neugier und zeigt auf meinen Einkauf. Eine Steilvorlage, mein bescheidener Auftritt. „Die Kapern, Sardellen und Eier sind für den Salat Nicoise, den Rest dazu kaufe ich auf dem Markt. Die Worcestersauce ist unverzichtbar für ein gutes Rogout fin und ein Tartare, aus den Haferflocken rühre ich morgens mein Blaubeermüsli an. Mit dem Tomatenmark bastel ich eine Marinade für Crostini, mit dem Meerettich fülle ich Roastbeef-Röllchen und die Majonaise brauche ich, um aus Restnudeln einen schlichten Salat mit Gurke zu mischen. Der Schmelzkäse kommt aufs schnelle Vollkorn-Pausenbrot, genau wie die Seelachsschnitzel plus Frischkäse. Und mit einem vierfachen Espresso belohne ich mich gleich dafür, dass ich das hier überstanden habe!“ Zum Abschied schenkt mir die Aufseherin eine EDEKA-Tüte.

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Ausverkauf Ost: Häuser zu verschenken!

Die Untere Havelregion ist ein Biosphärenreservat.

Die Untere Havelregion ist ein Biosphärenreservat.

 

In München oder Hamburg unbezahlbar, liegen traumhafte Immobilien in Sachsen-Anhalt und Brandenburg in mittelständischer Reichweite.

Und wer mag, kann im Osten zauberhafte Häuser sogar geschenkt bekommen. Beispiel Werben. Berühmt ist der Ort für seine vielen Storchennester und die Johanniterkapelle aus dem 13. Jahrhundert. In Werben schlug bereits der Sohn von Heiner Geissler zu, nachdem er sich in zwei Objekte verliebt hatte. Zwei biedermeierliche Häuser nennt er nun sein eigen. Weitere Häuser stehen zum Verkauf. Seufzend erläuter der Bürgermeister, dass oft nur die Kosten von 10.000 für Erschließung anfallen, das wars. Und wer seine Fassade besonders denkmalgerecht ausführt, bekommt von der Stadt 7500 Euro obendrauf. Das Ufer der Elbe, ein Naturparadies, liegt in Reichweite, Berlin ist eine Stunde entfernt. Auch ein altes Schulhaus neben der prachtvollen Kirche steht zum Verkauf.

In Garz, einem der schönsten Dörfer in Sachsen-Anhalt, ist ein giebelständiger Dreiseit-Hof für den berühmten Apfel und ein Ei zu verkaufen. Die Havel fließt wenige Meter entfernt vorbei, der Ort mutet an wie die verträumte Erinnerung an ein wohlhabendes Dorf, das hier einst sein Selbstgefühl und den Bürgerstolz in stattlichen Backsteinhäusern mit idyllischen Vorgärten dokumentierte.

Aber warum ist das so, warum entdecken nur so wenige diese einzigartigen Immobilienchancen am Naturreservat? Der Schlüssel zur Beantwortung der Frage liegt bei den Maklern. Bei Hauspreisen von fast geschenkt gibt es nach dem Prozent-System der Courtage-Bräuche nichts zu verdienen. Hier bräuchte es neue Lösungen, etwa dass die Städte und Gemeinden attraktive Prämien an Makler verteilen für die erfolgreiche Vermittlung renovierungsbedürftiger Häuser. 

Billiger ist eine Stadtsanierung und Ortskernentwicklung nicht zu haben. Es geht um den ersten Impuls für ein lebenslanges Engagement. Als Ferienhaus, Altersresidenz, Zweitwohnsitz oder erster Adresse. Denn wo man seinen Blog verfasst, ob an der Isar, am Main oder an der Havel, wird wohl immer weniger wichtig. Und nach Berlin ist es von Havelberg nur 1 Stunde.

Turbo-Abi G8: schnell und transsexuell

 

Das sogenannte Turbo-Abi bedeutet, dass in 8 Jahren Gymnasium auf dem Weg zum Reifezeugnis ein Pensum bewältigt wird, dass das explodierende Wissen in einem Jahr weniger an den Schüler/die Schülerin vermitteln will, als es noch zu meinen Zeiten der Fall war.

Unser Sohn (15) wird in 13 Fächer unterrichtet, in den Nebenfächern wird pro Semester eine Arbeit geschrieben, in den vier Hauptfächern zwei. Die Schule, ein Gymnasium in der Nordheide, ist eine ausgezeichnete Schule. Die Lehrer unterrichten fachlich auf hohem Niveau, sind pädagogisch um Hinwendung bemüht und wecken oft Leidenschaft für das Fach und den Lernstoff. Es gibt eine Reihe außerschulischer Aktivitäten, in Kürze steht wieder eine Varieté-Aufführung der Schüler mit einem bunten Show-Programm auf der Bühne der Aula an.

Alle Schüler in der Klasse unseres Sohnes gehen gern zur Schule. Und: Bei der letzten Schulinspektion erzielte das Gymnasium als „lernende Schule“ das beste Ergebnis in Niedersachsen. Ein Erfolgsfaktor ist sicher die Tatsache, dass der derzeitige Direktor an den Prüfkriterien der Schulinspektion mitgewirkt hat und nun vor allem seine eigenen Anordnungen umsetzt. Auch einige Potemkinsche Dörfer sind dabei: Die Regelschilder zum bakterientötenden Händewaschen auf den Toiletten verschwanden nach dem Besuch des Prüfkommitees irgendwohin, und mit der allgemeinen Sauberkeit war es schnell auch nicht mehr zum Besten, als die Inspektion vorbei war. So wie Schüler für die Klassenarbeiten lernen, so rüstet sich die Schulleitung alle Jahre wieder für den angemeldeten Besuch der kultusministeriellen Delegation. In der Literaturgeschichte ist dieser Obrigkeitsbezogenheit  mit Gogols „Revisor“ ein groteskes Denkmal gesetzt worden. Nicht auszudenken, wenn am AEG falsche Prüfer ihr böses Spiel treiben würden und die echte Revision erst auf den Plan träte, wenn der prachtvolle Baum gerade wieder abgeschmückt ist, um ein Bild aus der zu Ende gehenden Weihnachtszeit zu verwenden.

Doch insgesamt, und daran ändern diese kleinen Unebenheiten nichts, läuft der Laden. Auch soziale Belange werden nicht außer Acht gelassen. Die Geschichtslehrerin unseres Sohnes ist sehbehindert. Eine Assistenz, die die ganze Stunde über anwesend ist, sagt ihr, wer gerade aufzeigt. Im Dialog mit Schülern fordert die Lehrerin auch schon mal dazu auf, ihr ins Gesicht zu schauen. Am Klang der Stimme hört sie, ob sich der Schüler ihr richtig frontal zuwendet oder eigentlich wegschaut.

Und sogar bei der neuen deutschen Offenheit in allen Gender-Fragen marschiert die Schule an vorderster Front. Weil unser Sohn keine Lust auf evangelischen Religionsunterricht hatte mit der Interpretation von Herman van Veen- Texten, wechselte er ins Fach „Werte und Normen“, nicht zuletzt aus dem Gedanken heraus, mit begrenztem Aufwand eine gute Zensur einfahren zu können. Die Rechnung ging auf.

In der Klasse unterrichtet eine Junglehrerin, die eigentlich mal ein älterer Mann war. Denn seit drei Jahren beobachten rund 1000 Schüler und ein großes Kollegium eine sich hinziehende Geschlechtsumwandlung am lebenden Exempel. Immerhin hat der Lehrer bzw. die werdende Lehrerin dazu mehr Zeit als ein Oberstufenschüler fürs Abitur. 3 Jahre für das Erlernen und Einüben der neuen Geschlechtsrolle hier, 2 Jahre für die Abiturreife da. Inzwischen verfügt der LehrerIn über einen beachtlichen Busen, der den Rollkragenpulli von innen spannt. Auf die schicke Perlenkette und passende Ohrringe ist der Lippenstift abgestimmt. Die Schuhe haben einen respektablen Absatz, die Damenhose wirkt etwas steif, aber irgendwie dienstlich. Ihre dunkel gefärbten Haare trägt die frischgebackene LehrerIn lang, ein wenig stören Geheimrätinnenecken, die den Haareinsatz weit auf das Haupt hinaus schieben. Insgesamt ist der geschlechtsvewandelte Lehrer gegenüber seinen Schülern betont locker eingestellt und auch höher, betont weicher „gestimmt“.

Eine Klassenarbeit müsse man jetzt wohl schreiben, obwohl er es ja zu verhindern gesucht hätte. Doch der „Chef“ (Direktor) habe nun einen Termin gefunden, sodass die Ausrede der sich überschneidenden Klassenarbeiten nicht mehr funktioniere: „Da müssen wir jetzt zusammen durch!“ Aber nicht zu lange. Denn oft endet nach 30 Minuten eine Unterrichtsstunde mit der Aufforderung des Lehrers/der Lehrerin, auf dem Flur nicht zu laut zu sein, damit er nicht wieder Ärger mit den Kollegen bekomme.

Für die Klassenarbeit wurde jetzt ein Artikel der Gräfin Dönhoff angekündigt, der früheren ZEIT-Chefin, die inzwischen umstritten wegen ihrer merkwürdigen Einstellungen zum 3. Reich und zur Reformpädagogik, von der Hamburger Wochenzeitung eher verschämt im Archiv versteckt wird.

Turbo-Abi: Wenn schon nur 8 Jahre zum Abitur, dann sollte man die wertvolle Unterrichtszeit wenigstens richtig nutzen. Mit Lehrern, die noch „Bock“ haben. Dabei sollte das Geschlecht keine Rolle spielen.

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Bienen in Brandenburg: Imkermuseum ohne Zukunft?

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„Sind Sie Wessi oder Ossi?“ Die Frage von Henri Kraatz, dem stadt- und landbekannten Museumsimker aus Möthlow in Märkisch Luch nahe Rathenow, kommt unvermittelt und 22 Jahren nach der Wiedervereinigung unerwartet, wie ein Bienenstich im Gartenstiefel, der plötzlich den Fuß anschwellen läßt. Erst als wir am Couchtisch im angejahrten Wohnzimmer des früheren Gemüsegärtners mit Meisterbrief sitzen, erschließen sich die Hintergründe. Jahre habe es gedauert, bis man ihm in den Reihen des Berliner Imkerbundes vorbehaltlos die Hand gereicht hätte. Dabei sei er, Henri Kraatz, doch ein Großimker gewesen mit 68 Völkern, über die er zu seinen besten Zeiten gebot. Der Westberliner Verbandspräsident habe dagegen das große Wort geführt, obgleich er nur höchstens 8 armselige Bienenvölker im Rücken gehabt hätte. Im Vorstand hätten sich gar Hobbyimker getummelt, die mit 2 Völkern die Imkerei allenfalls als Garten-Dekoration betrieben hätten.  Diese aus seiner Sicht skandalösen Zustände bewegen den 77-jährigen passionierten Imker Henri Kraatz bis zum heutigen Tage. Kein Wunder: Die Bienen sind sein Lebensinhalt. Und auch, wenn er am Rande noch drei Töchter großgezogen hat: Witwer Henris eigentliche Familie summt und brummt und produziert bis zum heutigen Tag den süßen Saft, um den sich hier auf dem Resthof alles zu drehen scheint. Robinie und Linde sind die Hauptsorten, die Jahr für Jahr geschleudert und in den klassischen Pfundgläsern abgefüllt werden. Selbstverständlich weiss Henri Kraatz auch, wie Honig aus anderen Regionen der alten und neuen Bundesländern schmeckt. Besucher bringen ihm schon mal ein Glas mit. Heidehonig sei zwar selten, aber der herbe Geschmack sei sein Ding nicht. Auch die 250 Gramm Honig, die eine Amerikanerin über den großen Teich aus Massachusetts extra mitgebracht hat, um Henri Kraatz am ersten Erfolg mit dem ersten Volk teilhaben zu lassen, fand nicht die Gnade des kritischen Experten. Die US-Imkerin, die er überhaupt an das Hobby herangeführt habe, hätte einfach den Bienenstock eine Saison lang sich selbst überlassen und im Herbst eine Mischernte geschleudert, für Henri Kraatz eine schwere Sünde. Denn der alte Mann ist nicht einfach ein Imker, sondern hat sein Leben daran gesetzt, Brandenburgs einziges Imkermuseum aufzubauen. Die Führung durch sein Reich dauert mindestens 1 1/2 Stunden, Rekord war 6 Stunden. Und wer Henri Kraatz kennt, darf annehmen, dass er locker noch weitere 6 Stunden hätte dranhängen können. Die Imkerei im Wandel der Zeiten, der Bienenkorb als Geschichtstresor, Honig als  süßer Unterrichtsstoff: doch das einzige Imkermuseum in Brandenburg sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Vielleicht gibt es hier nicht die große Show zu sehen, museumspädagogisch aufbereitet und besucherfreundlich inszeniert, aber man spürt die Leidenschaft für das Hobby, das für Henry Kraatz so viel mehr als nur ein Hobby ist. Die kleine Landwirtschaft des Vaters mit Obst und Gemüse war wohl der Grund, warum Sohn Henri von Beruf Gärtner wurde, die Imkerei betrieb und den Hang zum Landleben mit grenzenloser Passion kultivierte.  Nach der Wende erhielt er zunächst die Hofstelle zurück, um sie dann wieder zu verlieren und anschliessend in einem 2. Anlauf für 20.000 DM zu erwerben. Deshalb wohl auch draussen die Hinweisschilder, auf denen „Bienenmuseum, Eigentümer Henri Kraatz“ steht.

Wie lange das Anwesen überhaupt noch betrieben werden kann, steht aber in den Sternen. Henri Kraatz ist schwer krank, eine Übernahme des Bienenmuseums von anderer Seite nicht in Sicht. Ein Ausbau scheint völlig unfinanzierbar, von privat oder von der klammen öffentlichen Hand wohl nicht zu leisten. Eine Lösung könnte sein, den Bestand (auch Landmaschinen und Möbel gehören dazu) zu erfassen und das Bewahrenswerte in laufende Projekte von Stadt und Landkreises zu integrieren, wo die Erinnerung an die Stationen der Agrarkultur gepflegt wird. Derzeit hat Henri Kraatz testamentarisch verfügt, dass das Bienenmuseum als Ganzes zu erhalten ist, die drei Töchter dürften sich schwer tun, unter diesen Vorgaben das Erbe anzutreten. Es brauchte jetzt Gespräche mit dem gewiss störrischen, aber in manchen Momenten auch immer wieder altersmilden Honigmann, damit am Lebensabend ein gewisser Seelenfriede einkehrt, mit dem sich Henri Kraatz immer schwer getan hat.

„Handgranaten und Orden treffen meist die Falschen“, lautete ein markiger Spruch, den er vor 20 Jahren nicht ganz passend den Beauftragten der Treuhand im Kampf um sein Eigentum verbittert entgegengeschleudert hat. Es träfe jetzt den Richtigen, wenn sich nun, wie geplant, jemand mit Sachverstand im Havelland erbarmt und Henri Kraatz besucht.

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